
Im Jahr 2026 findet der Aschermittwoch bereits am 18. Februar statt – nach diesem Tag sind die Fasnachtsbräuche im Dreiland ausgerichtet.
Beinahe feierlich wird es in der Nacht des «Funkensonntags» nach Aschermittwoch – am Abend vor dem Basler Morgenstreich – wenn auf unzähligen Anhöhen der Region die Fasnachtsfeuer der «Buurefasnacht» («Alte Fasnacht») aufleuchten. Während in Liestal der spektakuläre Chienbäse-Umzug im Stedtli Furore macht, bieten die Funkenfeuer ein Erlebnis der besinnlicheren Art. Von einzelnen Orten weiss man, dass es noch vor Jahrzehnten üblich war, vor dem Abbrennen des «Fastenfeuers», wie man es beispielsweise in Arlesheim nannte, nieder zu knien und ein Gebet zu verrichten. Die kultische Seite des Anlasses ist heute längst vergessen, trotzdem ist der Brauch gerade in letzter Zeit an vielen Orten wieder belebt worden.
Im Baselbiet ist das Feuer an verschiedenen Orten verbunden mit dem altüberlieferten «Reedlischigge» oder «Sprängreedli schloo», im Badischen «duet me Schibe schloo» und im Elsass «Schibe wärfe» oder auf französisch «lancer des disques enflammées». Da gibt es auch Verbindungen über die Grenzen hinweg; so wurden die Einwohner von Neuwiller vom benachbarten Oberwil dazu animiert, den alten Brauch wieder einzuführen.
Wenn beim Scheibenschlagen oder Reedlischigge die glühenden Holzrädchen wie Sternschnuppen in die Nacht hinaus fliegen, ergibt das einen hinreissenden Lichterzauber, dem sich kaum jemand entziehen kann. Man kann sich auch leicht vorstellen, dass unsere Vorfahren mit solchen Praktiken versucht haben, das Sonnenlicht für das kommende Jahr heraufzubeschwören. In Buchenbach bei Kirchzarten im Schwarzwald wird sogar ein Feuerrad als Sonnensymbol den Hang hinunter geschickt.
In alter Zeit auch im Rheinbett beim Bläsiring
Die älteste Nachricht über das Scheibenschlagen stammt aus dem Kloster Lorsch bei Mannheim, das am 21. März 1090 durch eine glühende Feuerscheibe in Brand geriet und völlig zerstört wurde. Im Baselbiet gehört Benken im Leimental zu jenen Orten, die ausdauernd an diesem Brauch festgehalten haben. Dabei ist aber nicht zu vergessen, dass es auch im alten Basel Fasnachtsfeuer mit Fackelläufen und Scheibenschlagen auf der Pfalz, aber auch im Kleinbasel gegeben hat, die wegen Unfugs und Feuergefahr schon im 15. und 16. Jahrhundert verboten wurden; sogar im Rheinbett beim Bläsiring soll man sich dabei vergnügt haben.
Einen besonders schönen, aussichtsreichen Ort besitzen die Benkemer für ihren Feuerbrauch. Die Wiese «ob den Hollen» über dem Rebberg ist der Gemeinde von einem Gönner eigens zu diesem Zweck vermacht worden. Nach sieben Uhr abends, wenn es bereits dunkel ist, geht Jung und Alt zum Rebberg hinauf. Einige tragen am Hals einen Drahtring mit aufgereihten Holzrädchen, ein paar frische Haselstecken und meist noch eine Fackel aus Kienspänen mit. Ob dem Rebberg brennen bereits drei bis vier Feuer, damit für alle Platz bleibt, um die Rädchen an der Haselrute in die Flammen zu halten. Sobald diese angesengt sind, werden sie an der «Reedlibangg» mit wuchtigem Schlag in die Nacht hinaus geschleudert. Im Kreis wirbelnd fliegen sie davon – je nach Könnerschaft mehr oder weniger weit. Die früher üblichen Sprüche mit Wünschen und Schmähungen sind heute aber nur noch selten zu vernehmen. Wenn alle Rädchen aufgebraucht sind, werden in Benken wie immer die Kienfackeln entzündet. In Einerkolonne bewegt sich dann ein langer Zug, der sich in der Dunkelheit wie eine glühende Schlange den Berg hinunter windet, ins Dorf zurück. Unten angekommen, schwingen alle ihre lodernden Fackeln im Kreis, dass ihr Schein wie in feurigen Spiralen aufleuchtet.
Edith Schweizer-Völker