Mit Schulden wird das Leben schwierig

Pascal Pfister, Geschäftsleiter der Schuldenberatung Schweiz

In der reichen Schweiz leben viele Menschen in einem verschuldeten Haushalt. Ein frühzeitiger Gang zur Schuldenberatung ist keine Schande und kann hilfreich sein.

Wie geraten Menschen in die Verschuldung und wie kommen sie wieder heraus? mozaik sprach mit Pascal Pfister. Der Basler SP-Grossrat ist Geschäftsleiter der Schuldenberatung Schweiz, dem Dachverband der Fachstellen für Schuldenberatung in der Schweiz.

mozaik Lässt sich die Verschuldung in der Schweiz in Zahlen fassen?

Pascal Pfister Gemäss Bundesamt für Statistik leben 14 Prozent der Menschen in einem Haushalt mit Zahlungsausständen. Das private Unternehmen CRIF (ein Dienstleister für Kreditgeber wie Banken – Anm. Red.) berechnet aufgrund der fortgesetzten Betreibungsbegehren eine Quote von 5.5 Prozent. Bei den gemeinnützigen Schuldenberatungsstellen melden sich jährlich etwa 6’000 Personen neu für eine Beratung an. Das ist aber nur die Spitze des Eisberges.

Das heisst, es gibt eine grosse Dunkelziffer?

CRIF geht von 500’000 verschuldeten Personen aus. Das zeigt: Es gibt sehr viele Menschen, die sich keine Hilfe bei einer Schuldenberatung holen.

Wie geraten die Leute in Schulden? Was sind die hauptsächlichen Verschuldungsursachen?

Die Ursachen sind sehr individuell. Meistens sind es Lebenskrisen wie Jobverlust, Unfall, Krankheit oder eine Scheidung, welche die Menschen in die Überschuldung treiben. 

Können viele Menschen einfach nicht mit Geld umgehen?

Die finanziellen Kompetenzen sind unterschiedlich, klar. Es gibt Menschen, die mit administrativen Dingen überfordert sind. Aus kognitiven Gründen, weil sie andere Dinge zu sehr in Beschlag nehmen oder weil sie die Sprache nicht verstehen. Aber nochmals: Die meisten Schuldenprobleme entstehen, wenn Lebenskrisen das Budget aus dem Lot bringen.

Wir wirken sich die Schulden auf die betroffenen Personen und deren Umfeld aus?

Schulden haben negative Folgen für die Gesundheit und das Zusammenleben. Vor allem auch wegen der fehlenden Perspektiven, wieder aus der Schuldenfalle rauszukommen. Eine langjährige Verschuldung führt dazu, dass die Menschen aus dem Arbeitsmarkt fallen und schlussendlich auch zu sozialer Desintegration.

Was sind die grössten Hindernisse, um aus der Verschuldung herauskommen?

Das Schweizer Recht macht es Verschuldeten nicht einfach. Für einen Schuldenschnitt braucht es die Zustimmung der Gläubigermehrheit. Diese lässt sich aber nur selten erreichen. Private Gläubiger sind dabei oft entgegenkommender als der Staat und die Krankenkasse. 

Müssen Verwandte für die Schulden ihrer Angehörigen geradestehen?

Nein, es gibt keine Sippenhaft. Nur Eheleute sind manchmal gemeinsam für Schulden haftbar.

Wie hilft die Schuldenberatung?

Die Schuldenberatung schafft erst einmal Ordnung in den Finanzen, erstellt ein Budget, klärt Unterstützungsansprüche ab und stabilisiert die Situation. Dann zeigt sie realistische Perspektiven zum Umgang mit den Schulden auf. Im Idealfall, der leider zu selten möglich ist, hilft sie, die Schulden zu sanieren. Viele Menschen kommen sehr spät in die Beratung. Hilfe zu holen, ist keine Schande.

Wovor sollten sich verschuldeten Personen in Acht nehmen?

Es lohnt sich, sich frühzeitig beraten zu lassen. Je länger die Situation dauert, desto schwieriger ist sie zu lösen.

Interview: Matthias Brüllmann

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