Die Apotheke der Familie Fritz

Für über 100 Jahren gebaut: Das imposante Haus an der Klybeckstrasse mit der Klybeck-Apotheke im Erdgeschoss. (Foto: Susanne Zeugin)

Sei 100 Jahren betreibt die Familie Fritz die Apotheke an der Klybeckstrasse 27. Und beobachtet, wie sich die Strasse verändert. Susanne Zeugin sprach mit dem heutigen Besitzer. 

Im Buch von Toni Streicher «Das Kleinbasel bekommt ein neues Gesicht» lese ich zum Eckhaus Klybeckstrasse/Kandererstrasse, dass dieses massige Geschäftshaus wohl auch als Abschirmung gegen Lärm aus der Klybeckstrasse hin zur kleinräumigeren Kandererstrasse gedacht war. Das Haus wurde 1900 von den damals bekannten Architekten Linder und Visscher van Gaasbeek erbaut. Vieles wurde an der Fassade nachgeahmt, wie es im Historismus damals so üblich war. Barocke Formen wie auch Spuren der Renaissance sind zu erkennen. Ausser dem Zwillingshaus an der anderen Strassenecke sind solche Häuser an der Klybeckstrasse nicht mehr zu finden.

Ich hatte die Gelegenheit mit dem heutigen Besitzer des Hauses, dem Apotheker Markus Fritz, ein kurzes Gespräch zur Liegenschaft führen.

mozaik Du bist Apotheker und führst die Klybeck-Apotheke, welche an der Klybeckstrasse 27 domiziliert ist. Wie lange ist das Haus in Familienbesitz?

Markus Fritz Das Haus wurde um 1920 von meinem Urgrossvater gekauft. Dieser kam aus dem Luzernischen und war Schreiner von Beruf. Dessen Frau führte darin ein Merceriegeschäft. 1927 eröffnete mein Grossvater seine Apotheke. Ein Teil der Fläche war immer noch eine Mercerie. Die Apotheke heisst nach der Klybeckstrasse, liegt aber im Matthäusquartier. Mein Vater führte sie später weiter. Da er aber früh mit 45 Jahren verstarb, führte der Grossvater die Apotheke weiter. Ich durfte schon damals in der Apotheke mithelfen. Ich füllte Tee, Kandiszucker und Meersalz ab. Auch meine Mutter half neben drei Kindern zeitweise mit. 1984, nach Abschluss meines Pharmaziestudiums, übernahm ich die Apotheke.

Weisst du noch etwas zum Haus zu erzählen?

Das ganze Haus steht in der Schutzzone. Das Haus ist aus Eisenbeton gebaut. Und zwar bis unter das Dach, was man heute nicht mehr so macht. Eisenbeton war eine neuartige Bauweise. Der Keller ist wie damals üblich aus Bruchsteinen aufgebaut. Vielleicht traute man dem modernen Eisenbeton als Fundament noch nicht ganz. Die Stuckaturen sind an den Eisenbeton angehängte Steinelemente.

Zu meiner Studienzeit wohnte ich im vierten Stock. Die Waschküche ist im Keller. Auf dem Dachboden im fünften Stock wird die Wäsche aufgehängt. Das ist heute noch so. 1980 wurde die ganze Fassade geputzt. Zu jener Zeit parkierten noch Autos vor dem Haus.

Was für einen Bezug hast du zur Klybeckstrasse?

Ich bin in Riehen aufgewachsen. Ich studierte dann Pharmazie an der Universität Basel. Seit 1984 verbringe ich meine Werktage in der Apotheke im Kleinbasel. Meine Heimat ist das Kleinbasel. Ich liebe das «Multikulti» dieses Quartiers. Die quartieransässigen Kunden erzählen mir immer wieder interessante Geschichten. Meine Mittagszeit verbringe ich in den kleinen Restaurants des Quartiers.

Wie hat sich die Klybeckstrasse in den letzten 40 Jahren verändert?

Seit der Aufwertung der Klybeckstrasse von 2005 ist es ruhiger geworden. Die Trämli sind nicht mehr so laut wie früher. Das Haus hat jetzt dreifach verglaste Fenster. Und die Parkplätze vor dem Haus sind weg. Als ich als Student oben im Haus wohnte, wurde ich anfangs ständig durch den Tramlärm geweckt. Mit der Zeit habe ich mich etwas daran gewöhnen können. Einmal wurde ich wach, weil es so still war. Das war 1986, als der Grossbrand in Schweizerhalle war. Das fuhren nämlich keine Tram mehr.

Die Idee der Aufwertung der Klybeckstrasse zu einem Boulevard hat mich anfänglich begeistert. Die Parkplätze vor der Apotheke und andere mehr wurden eliminiert. Nun stelle ich zunehmend fest, dass Autos auf dem Trottoir abgestellt werden. Schade ist, dass die Polizei dies immer mehr toleriert. Dies war nicht die eigentliche Idee des Boulevard Klybeckstrasse.

Das Quartier hat sich zu einem Trendquartier verändert. Jede Einwanderungswelle hat mit ihren Menschen kleine Geschäfte mitgebracht und Quartierspuren hinterlassen. Als junger Apotheker musste ich auf Italienisch beraten, später waren Sprachen des Balkans und Türkisch gefragt. Heute mit den vielen Expats ist Englisch populär. Quartierbeizen werden von verschiedensten Secondos geführt. Es ist ein stetiges Kommen und Gehen. Leerstände von Ladengeschäften wie in der Freien Strasse gibt es aber an der Klybeckstrasse nicht. Die Mieten sind eben auch nicht so hoch. 

An der Klybeckstrasse gibt es noch drei Apotheken. Dank der Stammkundschaft ist die Klybeck-Apotheke nun nicht nur in ihrem hundertsten Geschäftsjahr, sondern wird auch seit der Gründung von derselben Familie geführt.

Susanne Zeugin

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