«Der Matthäusmarkt ist ein Treffpunkt für alle»

Am ersten Matthäusmarkt am 12. August 2006 (Foto: Verein Matthäusmarkt)

20 Jahre Matthäusmarkt: Aus dem Vorstand sprechen mit Stolz, Liebe und Engagement Theres Wernli, Hannes Rau, Andrea Bikle und Natalie Zeitz über die langjährige Arbeit auf dem Matthäusplatz.

Von drei auf bis zu 30 Wochenmarktfahrende: Der Matthäusmarkt hat sich in zwanzig Jahren als grösster Quartiermarkt etabliert. Ins Leben gerufen wurde er 2006 von den Initiant:innen Ulla Stöffler, Hannes Rau und Theres Wernli im Rahmen des Wettbewerbs «Wahrnehmungsprozess Reiches Kleinbasel». Ziel war es, lokales Gemüse ins Matthäusquartier zu bringen und einen Ort zu schaffen, an dem sich Menschen begegnen können.


20 Jahre Matthäusmarkt

Feiern Sie mit uns am 29. August 2026, 9 bis 12 Uhr auf dem Matthäusplatz den 20. Geburtstag. Alle sind willkommen.

Mehr unter www.matthaeusmarkt.ch


Daraufhin wurde am 24. April 2006 der Verein Matthäusmarkt gegründet. Nur wenige Monate später, am 12. August 2006, fand auch mit Unterstützung der CMS auf dem Matthäusplatz vor der Kirche der erste Markt statt. Der gemeinnützige Verein organisiert den Markt mit vielen Helfenden bis heute grösstenteils ehrenamtlich.

Am Anfang hatten wir Sorge …

Hannes: … dass wir genug Produzenten_innen finden, die den Mut haben mit uns einen neuen Markt neben dem Stadtmarkt zu starten. Niemand ahnte, dass der Matthäusmarkt einmal so erfolgreich wird und so viele andere Initiativen dazu animierte, einen weiteren Quartiermarkt zu starten. Damit hätte wohl niemand gerechnet.

Theres: … wie wir endlich an eine Allmendbewilligung kamen. Wir führten mit allen möglichen Ämtern Gespräche, die uns zwar wohlwollend begegneten, aber kaum an den Erfolg der Idee einen reinen Produzentenmarkt zu realisieren, glaubten.

Der Vorstand des Vereins Matthäusmarkt (Foto: Verein Matthäusmarkt)

In diesem Moment wussten wir: Jetzt ist der Matthäusmarkt etabliert.

Hannes: So richtig bewusst wurde mir das bei der Präsenz an unserem Vereinsstand bei den Saisonmärkten. Wir nutzen die Themenmärkte auch um neue Vereinsmitglieder zu werben. Die neu zugezogene Kundschaft hat oft den Eindruck, dass der Kanton den Matthäusmarkt organisiert. Sie sind sehr erstaunt, dass es den Marktplatz bei der Kirche nicht schon immer gab, sondern dass eine private Initiative mit viel ehrenamtlicher Arbeit ist.

Theres: Für mich war das schon 2010 so. Wir erhielten den Schappo und hatten dadurch das Gefühl, der Matthäusmarkt ist in der Stadt Basel angekommen. Auch erhielten wir zunehmend Anfragen aus anderen Quartieren, ihnen bei der Verwirklichung eines Quartiermarktes zu helfen. 2007 unterstützten unsere Bauern den Beginn des St. Johannsmarkt. Wir waren überzeugt, dass jeder Markt sein eigenes Gesicht erhalten und dadurch zur Ergänzung und nicht zur Konkurrenz wird.

Am meisten stolz sind wir …

Natalie: … auf die Entwicklung, die der Matthäusmarkt gemacht hat. Zwischen der ersten Ausgabe mit drei Ständen und der heutigen liegen Welten – in der Organisation, der Zahl der Teilnehmenden und auch in der Stimmung. Auch unseren Bedingungen blieben wir treu: Der Matthäusmarkt ist ein echter Produzenten/innenmarkt. 80 Prozent der Produkte müssen daher aus dem eigenen Anbau oder der eigenen Produktion kommen. So schonen kurze Transportwege und saisonale Produkte die Umwelt.

Theres: Ich finde es super, dass wir so viel Biss hatten und trotz einiger Kritik am Anfang (zu wenig Stände, nicht das richtige Angebot «man muss wegen den Zitronen immer noch in den Laden…», falscher Standort, die Kundschaft muss bei Einkaufstour einen Umweg machen), immer weitergemacht haben.

Am meisten Aufwand macht …

Hannes: Dieses Jahr ganz klar das Jubiläumsfest, dass am Samstag, 29.08.2026 stattfinden wird. Die Arbeitsgruppe Jubiläum brütet seit einem Jahr über den Vorbereitungen. Dazu gehörte auch eine Gesuchseingabe beim Swisslos-Fond Basel-Stadt, der unsere Feier verdankenswerter Weise unterstützen wird. Sonst sind es die regelmässig stattfindenden Themenmärkte, die uns in Trab halten. Kaum ist der Rhabarbermarkt vorbei, bereiten wir den Kürbismarkt vor. Zudem organisieren wir für die Vereinsmitglieder einen Vereinsausflug zu einem unserer Produzenten sowie die jährlichen Apéros für Mitgliederversammlung und Geburtstag. Ein attraktives Vereinsleben ist uns wichtig, da der Markt im Quartier nur funktioniert, wenn er breit abgestützt wird.

Frisches Gemüse aus der Region gibt’s jeden Samstag auf dem Matthäusmarkt (Foto: Verein Matthäusmarkt)

Theres: Da die Vereinstätigkeit zusätzlich zu unserem Berufsalltag passiert, gibt es auch Ermüdungserscheinungen. Daher nutzten wir das Marktverbot während Corona, um einige Prozesse zu überdenken. Zum Beispiel gaben wir den Chirsimarkt mit den beliebten «Reh4Meisterschaften im Kirschsteinspucken» aus Entlastungsgründen auf. Auch verkürzten wir die Marktzeit um eine Stunde.

Von aussen fragt man sich vielleicht, warum man sich das antut, wenn man nichts damit verdient. Die Antwort ist einfach: Überzeugung und Leidenschaft und Engagement für das Quartier.

Spass macht jedes Jahr …

Natalie: … wenn die Marktfahrenden an unserem jährlichen Treffen mit ihnen, erklären, dass sie zufrieden sind und weiter an 52 Samstagen im Jahr für die Kundschaft ins Matthäusquartier kommen wollen. Auch der Moment am Morgen, wenn wir mit den vielen Freiwilligen den Themenmarkt aufgebaut haben, die Sonne scheint und es endlich losgeht. Wir geniessen nach dem stressigen Aufbau das bunte Treiben, die vielen Besuchenden, den Duft nach internationaler Küche, Gespräche mit FreundenInnen u.v.m.

Andrea: … die gute und professionelle Zusammenarbeit im Vorstand, alle denken mit, suchen bei Problemen Lösungen und unterstützen einander. Wir sind mit unterschiedlichen Ressourcen gut aufgestellt, Ideen realisieren, handwerklich anpacken, etwas erschaffen – das ist kein Problem für uns.

Typisch Matthäusmarkt ist …

Natalie: … zu wissen, wo und wie mein Gemüse wächst, wer meine Confi herstellt, wie Tiere gehalten werden und die Begegnungen, die Freundschaften, die entstanden sind. Darauf legen auch die Standbetreiber wert. Klar, kommen sie nur, solange es rentiert, aber der persönliche Stadt-Land- Austausch ist ebenfalls fester Bestandteil beim Einkaufen.

Theres: … beim Einkaufen ganz nah am lokalen Anbau zu sein. Im Winter gibt es halt nur Knollen und Nüsslisalat und keine Erdbeeren. Ich muss mir nie überlegen, was ich aus Gründen der korrekten Nachhaltigkeit kaufen darf. Am Matthäusmarkt gibt es für mich bequemerweise nur «Erlaubtes». Aber Matthäusmarkt heisst auch Treffpunkt, Plaudern und Neuigkeiten austauschen. Auch Wohnungen wurden beim Schlange stehen schon gefunden.

Das blieb bis heute gleich …

Theres: Die Vorlieben der Marktfahrenden für den immer gleichen Standplatz, was natürlich mit dem Wachstum auch zu Konflikten führt. In der Marktfamilie reibt und streitet man sich, aber man wächst auch weiter zusammen.

Hannes: Die Begeisterung für den Matthäusmarkt und die Suche und Auswahl neuer Angebote. Eine Waage, kreiert von unserer Grafikerin Ute Drewes, wurde zum Markenzeichen und steht bis heute für hunderte von netten Begegnungen am Samstagmorgen mit Menschen aus dem Quartier, denen wir ohne Matthäusmarkt nicht begegnet wären.

Das Kleinbasel ohne Matthäusmarkt wäre …

Andrea: … ein Dorf ohne Dorfplatz, ohne unverbindlichen Treffpunkt, weniger nachbarschaftlich und lebendig. Man diskutiert dort anstehende Abstimmungen oder die Vernissage des Vorabends und nach dem Einkaufen gibt es einen Kaffee im Da Graziella, bei Lu oder im Za Zaa.

Hannes: … vielleicht ist der Matthäusmarkt damals als Aufwertungsprojekt angesehen worden, obwohl wir ihn nur als notwendig in unserem Wohnumfeld erachtet haben. Er ist ein Beispiel dafür, dass lokales Einkaufen funktionieren kann, wenn am Samstag dank dem Markt die Stadt zum Dorf wird.

In weiteren zehn Jahren soll der Matthäusmarkt…

Andrea: … ein lebendiger Markt sein, von Kundinnen und Kunden aus dem Quartier heraus organisiert, auf dem immer wieder überraschende Angebote aus der Nachbarschaft auftauchen. Damit diese Eigenständigkeit bewahrt wird, braucht es einen Verein mit vielen Mitgliedern, unter denen sich Helferinnen und Helfer und neue Vorstandsmitglieder finden lassen.

Hannes: … vor allem noch existieren. Wachstum ist zweitrangig. Wichtig ist, dass der Matthäusmarkt ein Quartiermarkt bleibt. Wir hätten nie gedacht, dass wir uns nach 20 Jahren immer noch mit der Weiterentwicklung des Matthäusmarktes befassen würden. Der Matthäusmarkt ist ein Dorf inmitten der Stadt, ein Kleinod im Quartier und soll es auch bleiben.

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