mozaik und KLŸCK präsentieren: Werner Ryser und «Die Ausgebeuteten»

Der Autor Werner Ryser (Foto: Claude Giger)

Was hat das Arbeiterelend in Kleinhüningen vor über 100 Jahren mit dem Hier und Heute zu tun? Das besprechen wir mit dem Schriftsteller Werner Ryser.

Das mozaik und das Quartierzentrum KLŸCK laden zu einer Lesung und Diskussion mit Werner Ryser ein. Er verfasste den historischen Roman «Die Ausgebeuteten» über das Schicksal der Färbereiarbeiter und ihrer Familien in der Zeit um den Ersten Weltkrieg in Kleinhüningen. 

Wann: Mittwoch, 21. Oktober 2026, 19–21 Uhr

Wo: Quartierzentrum KLŸCK, Kleinhüningerstrasse 205 

Moderation: Hans-Georg Heimann, Präsident des Trägervereins «mozaik»

Anschliessend Apéo

Eintritt frei, Kollekte zur Deckung der Unkosten 

Das Bild des Basler Malers Rudolf Maeglin zeigt Arbeiter in einer Farbenfabrik und heisst «Auflegen von Rot».
Rudolf Maeglin, Auflegen von Rot, 1948, Öl auf Leinwand, Bildmass: 96,0 x 150,0 cm, Sammlung Kunstkredit Basel-Stadt

Die Ausgebeuteten

Die Frontseite des Umschlags des Buches «Die Ausgebeuteten» von Werner Ryser zeigt eine Fabrik mit einem rauchenden Schlot, vorwiegend in dunklen Rottönen.

In seinem Roman «Die Ausgebeuteten» zeigt uns der Schriftsteller Werner Ryser, wer den Preis für den beispiellosen Basler Wohlstand bezahlt. 

«Die Ausgebeuteten» – das ist eine Erzählung über die Menschen in Kleinhüningen in Zeiten des Kriegs und der Streiks, eine Erzählung über Macht und Ohnmacht, Arm und Reich, über Bonzen und Proleten. Ryser zeichnet ein äusserst detailliertes Bild vom Wandel des einstigen Bauern- und Fischerdorfes zu einem Industriequartier. Es beginnt mit dem ersten Färberstreik 1913 und endet mit dem Generalstreik 1919, als die Armee in Basel auf Streikende schoss und fünf Menschen starben. 

Vor dem Hintergrund dieser «üblen Dorfgeschichte», so Ryser am Radio, lässt der Autor die Leser:innen am Schicksal des Lehrers Conrad und der angehenden Hebamme Judith teilhaben. Sie erleben das Elend der Arbeiterschaft ebenso hautnah wie den Dünkel der Basler Oberschicht. Im Verlauf der Geschichte werden die beiden nicht nur ein Paar, sondern auch überzeugte Sozialisten und stellen sich in gelebter Solidarität an die Seite der Arbeiter:innen. Allen voran Judith: “Wer angesichts des Elends, das wir täglich sehen, hat kein Mitgefühl, und wer der Ungerechtigkeit nicht die Stirn bietet, dem mangelt es an Courage.” 

«Wie ist es nur möglich, dass ein paar alte Männer und ihre Hofschranzen eine ganze Welt ins Unglück stürzen können!» heisst ein Schlüsselsatz. Wer denkt bei diesem Satz nicht ans Hier und Heute? Ryser schreibt historische Romane, weil sich durch die Linse der Geschichte die Gegenwart besser verstehen lässt:  «All die Sünden, die wir heute haben, die Mächtigen, die Kriege anzetteln, die Natur schänden, das ist schon sehr alt.» Er begegne dem in all seinen Recherchen. 

Ryser wurde 1947 in Winterthur geboren und war Sozialarbeiter in Zürich. Er lebt in Basel, wo er viele Jahre als Leiter der Jugendfürsorge und der Pro Senectute gearbeitet hat. «Die Ausgebeuteten» ist sein zweiter Roman, der in der Region spielt. 2017 veröffentlichte er «Die Revoluzzer». Dort geht es um die Landbevölkerung, die sich am Vorabend der Französischen Revolution gegen die städtische Bevormundung auflehnt. Andere Zeit, gleiches Thema – oder in den Worten Rysers: «Damals waren es die Bauern, jetzt sind es die Arbeiter.»

(mb)

Werner Ryser. Die Ausgebeuteten. Roman. Cosmos-Verlag. Bern 2026

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