
Probleme mit Taubendreck oder Krach von Krähen? Mit unsicheren Schulwegen? Unruhigen Nachbarn? Im Kleinbasler Stadtteilsekretariat, kurz STS, sammelt sich Quartierstress aller Art.
mozaik sprach mit Theres Wernli. Zusammen mit Josephine Boog leitet sie das STS Kleinbasel an der Klybeckstrasse.
Theres Wernli, was treibt Sie an für Ihre Arbeit?
Ich würde sagen: Die Konflikte treiben mich an: Leute kommen rein und klagen wegen etwas. Für mich sind das Herausforderungen, die mich anspornen. Irgendwie habe ich Freude an Konflikten! Man spricht doch auch vom positiven Stress, wenn Menschen ihre Probleme als Herausforderung annehmen! Ich freue mich jedenfalls, wenn Leute miteinander ins Gespräch kommen und aktiv werden. Allein schon, dass sie hierher kommen und ihr Bedürfnis anmelden. Mir gefällt es, mit ihnen zusammen Ideen zu entwickeln, wie sie ihr Lebensumfeld verbessern können. Gerne bestärke und ermutige ich, selbst vorzugehen oder Leute anzusprechen. Und wenn das dann gelingt, wenn ich das Echo habe, dass es besser wurde, dann finde ich, dass es sich lohnt.
Gilt das auch für Probleme, die Sie selber in Ihrer Arbeit erleben?
Mir fällt da zuerst der Konflikt ein, dass ich viele Ideen habe, die nicht Platz haben in unserem Pensum, das durch die Jahresplanung definiert ist. Ideen zum Beispiel, von denen ich finde, es brauche dies für das Quartier. Oder es ist eine Idee, welche Lust und Kraft weckt. Aber es kommt zum Pensum hinzu, was vom Arbeitgeber nicht nur geschätzt wird. Und man ist ja nicht sicher, wie es rauskommt. Man fängt dennoch an zu planen und spürt die Herausforderung und die Freude. Dabei wächst vielleicht eine kleine Idee zu einem aufwändigeren Projekt. Das passierte bei der Entwicklung unserer 20-Jahr-Feier im vergangenen März, oder beim Filmabend auf dem Dreirosenareal, den wir kurzfristig vom Schön- zum Schlechtwetteranlass umorganisieren mussten. Im Nachhinein bleibt ein Stolz, dass man’s doch noch geschafft hat. Das gibt eine gute Energie.
Ein anderes Reibungsfeld liegt vor, wenn wir im Auftrag der Stadt Beschlüsse einer Volksabstimmung umsetzen müssen. Der Beschluss, dass es in Basel zehn Prozent weniger motorisierten Individualverkehr geben solle, führt zu Massnahmen, die diesen Verkehr einschränken. Da kommt es zu politischen Diskussionen, in denen uns Parteilichkeit vorgeworfen wird. Aber wir gehen ja den Sachfragen nach. Ich überlege mir nicht, ist ein Mensch links oder rechts, ist Velo wichtiger als das Auto. Es geht mir darum, wie wir eine gute Lösung hinkriegen.
Was beschäftigt euch aktuell besonders?
Hier ein paar Beispiele: Nebst der Dreirosenanlage ist es öffentlicher Raum, der von Dealern und Konsumierenden besetzt ist. Oder Spannungen im Umfeld von Häusern, wo Menschen wohnen, die lärmen oder das Umfeld unsicher machen. Und jetzt der Superblock. Das ist auch für uns eine neue Situation. Wie kann man so ein Experiment in einer Weise begleiten, dass die Leute die Lust nicht verlieren? Wir haben ja hier im Büro nicht nur die Superblock-Fans, sondern eher die andern, die kritisieren, dass das nicht gut umgesetzt würde. Weiter haben wir Schulweg-Problematiken. Jetzt im August haben viele Familien ihre Kinder erstmals in die Schule geschickt. Da kommen die Eltern zu uns und sagen: Schaut doch mal, wie sollen die Kinder solche Wege bewältigen? Wir haben jetzt im Klybeck neu ein Schulprovisorium. Nun kommen die Kinder aus Kleinhüningen, weil ihr Schulhaus saniert wird, ins Klybeckareal. Die haben folglich einen längeren Schulweg. Und müssen Strassen mit Tramschienen bewältigen. Das Anliegen für sicheren Schulweg haben wir natürlich unterstützt. Ich schaue mir die Situation immer vor Ort an, mache Fotos, bevor ich damit zur Verwaltung gehe. Da habe ich gemerkt, dass beim Inselschulhaus überall am Boden Tempo 30 aufgezeichnet ist und eine Tafel «Achtung Kinder» fehlt. Obwohl sich dort ein grosses Schulhausareal befindet. Um Schulhäuser herum sollte eigentlich überall in der Stadt Tempo 20 gelten. Das wird jetzt aber überprüft. Dank der Eltern, die zu uns kamen und sich Verbesserungen wünschten.
Interview: Benno Gassmann
Stadtteilsekretariat Kleinbasel
Klybeckstrasse 61, 4057 Basel
061 681 84 44