Schachtraining und -wettkämpfe für alle

Die SG Trümmerfeld wurde in den Scherben einer klein gehauenen Gärtnerei gegründet. Heute ist die Spielgruppe der grösste Schachverein der Stadt.

Logo der Spielgruppe Trümmerfeld

Die SG Trümmerfeld entstand im Mai 1988. Martin, ein Mitgründer und heutiger Jugendtrainer, erinnert sich noch gut an die Vorgeschichte und die Anfänge des Vereins. Er erzählt, wie alles begann: «Wir trafen uns fast täglich in der Alten Stadtgärtnerei. Das war unser Freiraum. Neben dem ganzen Kulturbetrieb mit Ausstellungen, Theater, Kino, Konzerten, Discos, Barbetrieb und einer Bocciabahn hatte es in der Küche auch zwei Schachbretter. Ein Kollege brachte ein Go-Brett mit. Es wurde locker Schach und Go gespielt. Mit der Zeit entwickelte sich die Alte Stadtgärtnerei immer mehr zu einem lebendigen Kulturort. Dann kamen wir auf die Idee, in den Treibhäusern der alten Gärtnerei ein Simultan- und ein Blitzturnier zu organisieren. Wir hatten kein klassisches Vereinslokal, sondern trafen uns an einem Ort, an dem vieles möglich war.» Man konnte dort kochen, sich austauschen und gemeinsam spielen. Für das Schachspiel gab es anfangs gerade einmal zwei Schachbretter und eins fürs Go, ein japanisches Brettspiel.

Das «SG» im Vereinsnamen bedeutet nicht Schachgesellschaft, sondern Spielgruppe, da der Club immer offen für weitere Denkbrettspiele ohne Glücksfaktor war. 

Mit der Zeit entwickelte sich die Alte Stadtgärtnerei immer mehr zu einem lebendigen Kulturort. Es fanden Theater, Ausstellungen, Konzerte und Discos statt. Es hatte ein eigenes Kino (das «Neue Kino», das es immer noch gibt), eine Bocciabahn (in einem der Treibhäuser), eine Bar und vieles mehr. In den Treibhäusern wurden zwei Schachturniere veranstaltet, Menschen aus verschiedenen Bereichen kamen zusammen, und auch das Interesse am Schach wuchs stetig. Bald wurden schliesslich zwei Schachturniere organisiert. Das war ein wichtiger Schritt in Richtung Vereinsgründung.

Der Name «Trümmerfeld» lässt im ersten Moment nicht sofort an Schach denken, sondern eher an ein Erdbeben oder eine Schlacht. Schachspielende benutzen den Begriff allerdings auch für komplette Verluststellungen. Die Clubbezeichnung hat eine doppelte Bedeutung. Denn die Polizei räumte die Alte Stadtgärtnerei am 21. Juni 1988 und zerstörte alle Glashäuser, «Trümmerfeld» war deshalb in doppeltem Sinn ein Name mit Symbolkraft. Der Ursprungsort war buchstäblich zu einem Trümmerfeld geworden. 

Häufige Umzüge

Nach der Zerstörung der alten Stadtgärtnerei musste der Verein immer wieder sein Spiellokal wechseln. Die Mitglieder zogen durch verschiedene Orte in der Stadt, bis sie schliesslich im Union an der Klybeckstrasse eine neue, dauerhafte Bleibe fanden. Anfangs standen ihnen dort mehrere Räume zur Verfügung: die Aula, die Bühne und ein Raum hinter der Bühne. Doch seit die GGG Bibliothek Bläsi dort ein Provisorium aufgebaut hat, ist der Platz knapp geworden. Heute teilt sich der Club auf: Ein Teil spielt im Bistro Union, der andere Teil trainiert in einem Saal im ersten Stock.

Jugendliche am Schachturnier (Foto: SG Trümmerfeld)

Kostenloses Schachangebot für Kinder

Besonders bemerkenswert ist, dass die SG Trümmerfeld eine der wenigen Vereine ist, die ein kostenloses Angebot für Kinder und Jugendliche anbieten. Die Jugendarbeit liegt Martin besonders am Herzen. Er erinnert sich an seine Zeit als Sekundarlehrer zurück: Eine Lehrerin kam damals mit einem Schüler auf ihn zu, der grosses Interesse an Schach hatte. Dieser eine Schüler war der Anfang des Jugendschachs im Club. Von da an wuchs das Angebot stetig weiter, immer mehr Kinder und Jugendliche kamen dazu. 

Heute zählt der SG Trümmerfeld gegen 100 Mitglieder und Schachspieler, die das wöchentliche Training regelmässig besuchen. Lange Jahre eher belächelt, ist er heute der grösste Schachclub der Stadt Basel.

Um ans Training zu kommen, muss man nicht im Verein angemeldet sein, sondern man kann auch so kommen. Es gibt im Verein auch immer wieder Leute, die eher auf der Schattenseite der Gesellschaft leben, dort ein Zuhause finden und sehr gerne zum Vereinsabend kommen. Bei den Erwachsenen und den Junioren sind alle Stärkeklassen vertreten. «Es ist wichtig für einen Verein, dass es eine Basis gibt, nur so kann man eine Spitze mit Leuten mit hohem Schachniveau haben», sagt Martin. 

Der SG Trümmerfeld ist einer der wenigen Vereine der Region, die noch eine interne Meisterschaft haben, sowohl bei den Kindern als auch bei den Erwachsenen. Ausserdem nimmt der SG Trümmerfeld an zahlreichen Turnieren des Schweizerischen Schachbund (SSB) und des Nordwestschweizer Schachbund (NSV) teil – von der 2. Bundesliga bis zur Schweizerischen Jugend-Mannschaftsmeisterschaft (SJMM).

Weitere Informationen finden Sie unter der Website: www.truemmerfeld-basel.ch

Yugal Gupta

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