Der Badische Bahnhof und seine zwei symbolträchtigen Brunnen – mozaik-Autorin Susanne Zeugin stellt uns den imposanten Gebäudekomplex und seine Geschichte vor.
Den «Basel Badischer Bahnhof» (wie er bahnamtlich korrekt heisst) in der heutigen Form gibt es ab 1913. Er ist ein Grenzbahnhof und liegt auf deutschem Territorium. Er ist im Heimatschutzstil gebaut worden (eine Bauart, die laut Wikipedia den Historismus und den Jugendstil überwindet auf dem Weg zur Moderne). Der Architekt war Karl Moser, in Basel auch bekannt als der Architekt der Paulus- und der St. Antoniuskirche. In der gleichen Zeit, 1912–1914, wurde auf der anderen Strassenseite von der Bierbrauerei Warteck im ähnlichen Baustil eine ganze Strassenzeile erbaut. Heute befindet sich in einem Eckhaus ein Hotel und im anderen das Restaurant «McDonald’s».
Bahnhof renoviert
In den vergangenen zwei bis drei Jahren wurde das ganze Bahnhofsareal aufwendig und subtil von der Deutschen Bahn renoviert. Die Schweizer Post hat sich vor einigen Wochen aus dem grossen Bahnhofsgebäude verabschiedet. In die Räumlichkeiten, wo früher die Theater Helmut Förnbach Company zu Hause war, ist jetzt ein Migros eingezogen. Links von der hohen, halbrunden, äusserst imposanten Eingangshalle mit grosser Deckenverzierung schliesst sich der Teil mit dem Coop und dem «Gare du Nord», dem ehemaligen Bahnhofsbuffet, an. Dort ist auch ein Theater mit gleichem Namen heimisch. Die Stimmung im Bahnhofsbuffet ist sehr speziell, wie ich finde. Neu wurde das Glasdach repariert, abgedichtet und taucht den Raum in ein eigenes Licht ein. Im wunderbar stillen und meistens einsamen, öffentlich zugänglichen Fürstengarten neben dem Café steht eine Brunnenanlage mit zwei Figuren darauf. Laut plätschert das Wasser in der warmen Jahreszeit ins grosse Becken hinunter.
Da ich sehr nahe am Badischen Bahnhof aufgewachsen bin und heute noch dort lebe, ist mir der Badische Bahnhof sehr wichtig. Schon als Primarschülerin wurde mir von meinen Eltern das Wissen vermittelt, dass hier Deutschland anfängt und ich in den Nachkriegsjahren dort nichts verloren hätte. Auf dem Weg ins Gartenbad Eglisee lief ich jeden Sommer trotzdem mit meiner Cousine nahe am Badischen Bahnhof unter den Bahngleisen durch. Die kräftigen fünf Stein- und Metallbogen beeindruckten mich damals und auch heute noch sehr. Mit der Primarschule des Rosentalschulhauses (damals hinter der Rosentalanlage beheimatet) machten wir einen Ausflug zu den zwei Brunnen, die prominent vor der Eingangshalle stehen. «Was stellen diese ‹Partnerbrunnen› dar?» war die Frage unserer Primarlehrerin. Wenn ich diese Frage heute jemandem stellen würde, bekomme ich wohl keine passende Antwort mehr. Viele kennen zwar diesen Platz. Bis vor kurzem wurde er von Pendelnden und Reisenden als Abstellplatz für Velos benutzt. Dicht gedrängt standen die Velos, mehr oder weniger ordentlich abgestellt. Das Wasser in den Brunnen lief etliche Monate nicht mehr.
Der «Rhein» und die «Wiese»
Blicken wir aus der Bahnhofshalle hinaus, sehen wir links den Brunnenteil, der den Rhein symbolisiert und rechts gegenüber den Brunnenteil, der die Wiese darstellt. Beide Figuren der Brunnen wurden ebenfalls renoviert.
Die Wiese stellt eine Frau dar, die von einem Stier vorangetrieben wird. Der Rhein ist ein Mann, der von einem Pferd angetrieben wird. Beide kräftigen Tiere stehen als Kraftsymbol für die zwei Bahnen, die Wiesentalbahn und die Hochrheinbahn, die durch den Badischen Bahnhof verbunden werden. Ich hatte als Kind nie an die Bahn gedacht, sondern an die beiden Flüsse, welche in Kleinhüningen zusammenfliessen.
Die Brunnen wurden 1914 geplant. Während des Ersten Weltkrieges wurden die Arbeiten eingestellt. Der Architekt Carl Burckhardt konnte erst 1918 mit der Arbeit beginnen. Die Einweihung fand 1921 statt (zwei Jahre vor seinem frühen Tod).
Seit ein paar Wochen dürfen nun die Velos nicht mehr zwischen den Brunnen abgestellt werden. Das Veloparking wurde seitlich verschoben und gibt jetzt den schönen Vorplatz wieder frei. Es wurden Töpfe mit Sträuchern hingestellt, die umgeben sind von Rundbänken aus Holz. Nun kann mensch sich dort niederlassen, dem Wasserspiel der beiden Brunnen (das Wasser kommt durch je sechs Öffnungen und einen kleinen Springbrunnen hervor) zusehen und, wer will, etwas in der Nostalgie der 20er Jahre schwelgen oder einfach auf die Abfahrt oder die Ankunft eines Zuges warten.
Susanne Zeugin