Klybeck-Areal: Druck zeigt Wirkung

Jahrelang haben die Behörden und die Besitzer die Verschmutzung des Klybeck-Areals schöngeredet. Jetzt haben ihre Kritiker recht bekommen: Das Areal ist stärker vergiftet als bisher zugegeben.

Auf öffentlichen Druck haben die Investoren – Swiss Life und Rhystadt – die Suche nach Giftstoffen im alten Chemiegelände Klybeck ausgeweitet. Und siehe da, im Frühjahr 2026 gaben sie bekannt: Im Grundwasser wurden bisher ignorierte, hochgiftige Chemikalien in unzulässigen Mengen entdeckt, wie z. B. der Blasenkrebsauslöser Benzidin. Die Funde beweisen: Auf dem Areal muss es mehr Stellen geben, die dringend saniert werden müssen, als bisher bekannt. Die Investoren dehnen ihre Abklärungen nun aus.

Zweifelhafte Rolle des AUE 

Die Mitteilung wirft ein schiefes Licht auf die Behörden, an erster Stelle das Amt für Umwelt und Energie (AUE) und dessen Chef Matthias Nabholz. Er hat Kritikern immer wieder entgegenhalten: Das Areal ist eines der am besten untersuchten Gelände der Schweiz. Die Botschaft dahinter: Wir wissen, was Sache ist. Sein Chef, SP-Regierungsrat Kaspar Sutter, hat ihn dabei stets gedeckt.

Das AUE müsste die Altlastenverordnung durchsetzen. Diese regelt den Umgang mit belasteten Standorten wie dem Klybeck. Das Vorgehen ist im Grunde einfach: 

  1. Erstens erfasst das AUE die belasteten Standorte in einem Verzeichnis (Kataster).
  2. werden die Standorte untersucht. Was wurde produziert? Welche Verschmutzungen gibt es?
  3. entscheidet die Behörde auf Grund der Untersuchungsergebnisse, was zu tun ist. Sanieren? Überwachen? Nichts tun?

Die amtlichen Entscheide haben es in sich: Überwachen ist günstig; sanieren enorm teuer. Die verursachende Industrie hat alles Interesse daran, möglichst wenig sanieren zu müssen. 

Laut AUE ist das Klybeckareal überwachungsbedürftig. Es gibt genau einen Flecken, der saniert werden muss und der auch schon seit Jahren saniert wird. Ein erstaunlicher Befund. Und ein unglaubwürdiger! Der Verein «Ärzte und Ärztinnen für Umweltschutz» (AefU) und dessen Geschäftsleiter Martin Forter wiesen mit mehreren eigenen Untersuchungen nach, dass die Entscheide des AUE nicht stichhaltig sind. Sie beruhten auf meist oberflächlichen Studien und ungenügenden Messungen. Hochgiftige Substanzen wurden nicht gesucht. Oder Funde wurden ignoriert: «Die Vorgaben der Altlastenverordnung werden aus unserer Sicht mangelhaft umgesetzt», so die AefU.  Das hat sich jetzt mit den Grenzwertüberschreitungen bestätigt.

Fazit

Die Verharmlosung der Belastungen auf dem Areal ist gescheitert. Das AUE und sein Chef erscheinen nicht mehr glaubwürdig, mindestens was die Umsetzung der Altlastenverordnung angeht. Eigentlich müsste dies politische Konsequenzen haben. 

Die Eigentümer machen vorwärts. Rhystadt und Swiss Life versprechen ein Areal, das nicht mehr überwachungsbedürftig ist. Das heisst jedoch nicht, dass es keine giftigen Rückstände mehr aufweisen wird. Sondern nur, dass die Grenzwerte für die Belastungen von Grundwasser und Luft nicht mehr überschritten werden. Sie haben neue und umfassende Detailuntersuchungen gestartet und planen die Sanierung. Im Rahmen der Informations- und Austauschplattform Standortbelastungen Klybeck-Areal (IAPSKA) legen sie Daten offen. Mit interessierten Organisationen aus der Nachbarschaft und unabhängigen Expert:innen diskutieren sie über ihre Vorgehensweise. Nicht bekannt geben wollen sie allerdings, nach welchen Substanzen nun genau gesucht wird. Sind es die relevanten oder fehlen wichtige Stoffe? 

Viele Fragen bleiben offen: Hat das Verhalten des AUE politische Konsequenzen? Wer zahlt die Sanierungen jener Flächen, die der Kanton für Strassen, Schulen und Pärke benötigt? 

Die Entwicklung ist dennoch gut für die Menschen, die dereinst auf dem Klybeck wohnen werden. Zu verdanken ist sie der hartnäckigen Arbeit von Kritikern wie Forter. Die Altlastenkonferenz (Februar 2025 im KLŸCK) machte deutlich, wie wenig Kredit AUE und Investoren in der Bevölkerung haben, und bewirkte mehr Transparenz.

Matthias Brüllmann (Interessenbindung des Autors: Verein Zukunft.Klybeck, Vertreter von Zukunft.Klybeck bei der Informations- und Austauschplattform Standortbelastungen Klybeck-Areal (IAPSKA))

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