
Der Boule Platz vor der Kaserne
Seit rund 30 Jahren wird auf dem Kiesplatz vor der Kaserne Boule gespielt. Dabei konnte hier ein Treffpunkt entstehen, an dem Menschen mit sehr unterschiedlichem sozialen Hintergrund zusammenkommen, nicht nur zum Spielen, sondern auch zum Plaudern und Diskutieren. Die Gruppe ist offen für alle: Jeder und jede ist willkommen. Heute nutzen rund 50 Personen den Ort, einige fast täglich, andere nur sporadisch. Gespielt wird das ganze Jahr durch, sofern es die Witterung erlaubt. Aber dieser Freiraum, in dem etwas entstehen konnte, das in Basel wohl einmalig ist, wird durch kommerzielle Nutzungen bedroht. Seit diesem Jahr ist im ehemaligen Stadtfenster des K-Hauses eine Gelateria eingezogen und beansprucht 50 m2 Allmendfläche für die Aussenbewirtung. Einsprachen der Boulespielenden wurden abgewiesen, und auch eine Petition, die innert kürzester Zeit von 1’117 Personen unterzeichnet worden ist, konnte die Allmendverwaltung nicht umstimmen. Und in absehbarer Zeit droht neues Ungemach: Das Kasernenrestaurant, das laut Plan im Jahr 2028 den Betrieb aufnehmen soll, beansprucht ebenfalls Allmendflächen für die Aussenbewirtung. Der verbleibende Freiraum ohne Konsumzwang schrumpft weiter. Ob das Boulespielen in seiner heutigen Form dann noch möglich sein wird, muss sich zeigen. Die Zukunft des sozialen Netzwerkes, das in den vergangenen 30 Jahren auf dem Kiesplatz vor der Kaserne entstehen konnte, ist ungewiss.

Zack
Am 30.Mai wurden die Gebäude K102, 104, 106 auf dem Klybeckareal als «Zone Autonome Culturelle Klybeck» besetzt. Im kurzen Monat seines Bestehens entwickelte das Zack eine beeindruckende Feuerwerk an Aktivitäten, von den grossen Parties über die täglichen Mittagessen und vielfältigsten kleinen Projekten bis zu den vielen Diskussionsrunden. Als «Nachbarin» – ich bin oft im Gemeinschaftsgarten von KUBK auf dem Mathilde von Orelli-Platz –, erlebte ich Sorgfalt, Begeisterung und Offenheit. Bekanntlich wurde das Areal Anfang Juli geräumt. Ich frage mich, wo all die Lust am gemeinsam etwas tun und all das Können der BesetzerInnen und BesucherInnen sich jetzt entfalten kann?
Erlenmattplatz – ein Trauerspiel
Ursprünglich sollte auf dem Erlenmattareal auch ein Platz für den Zirkus Knie gebaut werden. Nachdem der Zirkus Knie seine Pläne geändert hatte, entwickelte der Zuständige im Baudepartement, Alexander Reeder, aufgrund einer sorgfältigen Bedürfniserhebung im Quartier und Kontakten mit den Jugendorganisationen, das Projekt eines Platzes für Jugend und Sport. Eine Skateboardhalle (die Halle in den Langen Erlen stand vor der Schliessung), ein Jugendtreffpunkt, ein partizipativer Ansatz, Raum zum Gestalten und Entwickeln. Das Konzept wurde sehr positiv aufgenommen im umliegenden Quartier. 2011/12 fand ein städtebaulicher Wettbewerb für den Max Kämpf-Platz und den Erlenmattplatz statt. Es gab ausgiebige Strategieprozesse und Sitzungen mit der Bevölkerung. 2014 wurde ein Ratschlag mit der Finanzierung verabschiedet. Die Mobile Jugendarbeit hat sich mit anderen Jugendorganisationen jahrelang auf den Jugendplatz vorbereitet.Umgesetzt worden ist: Nichts. Nicht einmal während Covid konnte die Mobile Jugendarbeit auf dem Platz aktiv werden. Einzig der Kinderverkehrsgarten hielt die Stellung. Im Januar 2021, zehn Jahre nach dem Wettbewerb, schliesslich die Mitteilung des Regierungsrates, die Trendsporthalle komme nicht auf den Erlenmattplatz, sondern bleibe am Hafen (wo sie mittlerweilen war), auf dem Erlenmattplatz werde eine Überbauung mit Wohnungen geplant. Wieder gab es Mitwirkungsveranstaltungen, diesmal für die Sockelnutzungen der Wohngebäude, Die Anliegen waren unverändert: eine flexible Nutzung, viel Platz für Kinder und Jugendliche, Bewegung und Begegnung. 2023 wurden dann Wohnmodule für Geflüchtete auf dem Platz platziert. Auf der verbliebenen Brache ist die Erlenperle noch bis Ende 27 als Zwischennutzerin aktiv. Das «Wäldlein» zwischen Fossil und den Wohnmodulen, der Schattenplatz des ursprünglichen Projektes, steht etwas verloren da. Das Projekt Jugendplatz sei schon lange gestorben, aktuell laufe eine Testplanung für eine Publikumssporthalle, höre ich. Dazu gibt’s keine Mitwirkung.
Nichts gegen eine Turnhalle. Eine Turnhalle für Sportvereine liesse sich auch problemlos kombinieren mit einem offenen und flexiblen Jugend-und-Sport-Angebot. Sofern nicht auch noch Wohnungen auf dem Platz gebaut werden.
Drei Freiräume – ich könnte weitere nennen –, Freiräume, die von ganz unterschiedlichen Gruppen genutzt werden und wurden. Freiräume auf der Allmend und auf privaten Boden. Gemeinsam ist ihnen, dass sie unter Druck stehen und dass kommerzielle Nutzungen oder Nutzungen, für die die Stadt keinen anderen Platz findet, den Vorrang haben Die Bedürfnisse von Jugendlichen, Anwohnenden, Nachbarinnen, die sorgfältig aufgeschrieben in den Schubladen ruhen, haben das Nachsehen.
Wo können junge Leute – und übrigens auch ältere – gemeinsam aktiv werden, etwas gestalten, etwas aufbauen? Wo kann sich etwas entwickeln ohne dass alles schon vorgeplant ist, «ent-sto», wie es Ruedi Bachmann, der kürzlich verstorbene Architekt, genannt hat?
Wer hat die Aufgabe Freiräume zu erhalten? Oder muss man sich Freiräume immer nehmen?
Antoinette Voellmy