
In der 1950er Jahren nahm der Autoverkehr massiv zu. Kinder konnten nicht mehr ungefährdet auf den Strassen spielen. So wurde die Frage nach sicheren Spielplätzen immer drängender.
Der erste Abenteuerspielplatz mit Hüttenbauplatz und Spielbaracke entstand im zweiten Weltkrieg im dänischen Endrump. Anfang der 1950er Jahre erfuhr auch die Pro Juventute in Zürich von diesen Tummelfeldern. Sie förderte diese Idee in der Schweiz entscheidend. 1954 wurde der erste Robinsonspielplatz in Wipkingen eröffnet. Die Bezeichnung geht auf den Zentralsekretär Alfred Ledermann zurück.
Die Medien machten das Thema in Basel bekannt. Es folgten erste Vorstösse im Grossen Rat, solche Spielplätze in den damaligen Arbeiterquartieren Kleinbasel und St. Johann einzurichten. Nach den Vorschlägen einer Studienkommission mit Vertretern der Lehrerschaft, des Jugendamts, des Schulfürsorgeamts und der Stadtgärtnerei bewilligte der Regierungsrat einen dreijährigen Versuchsbetrieb auf der Voltamatte und im Horburgpark. Pro Platz budgetierte er 6‘500 Franken für Umzäunung, Wasserzufuhr und eine Baracke.
Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. Friedrich Schiller
Am 15. Mai 1957 wurde der Platz an der Voltastrasse und zwei Wochen später derjenige im Horburgpark offiziell eröffnet. Die Betriebssaison dauerte von April bis Oktober 1957. Die beiden Spielplatzleiter berichteten positiv über ihre ersten Erfahrungen. Es war gelungen, den Kindern eine «aktive Betätigung schöpferischer Art zu bieten».
Nach Ende des Versuchsbetriebs war eine Schliessung kein Thema mehr – im Gegenteil, mit besseren Räumlichkeiten wurde 1960 der Betrieb auf das ganze Jahr ausgedehnt. Mit zwei zusätzlichen Robinsonspielplätzen, 1963 am Bachgraben und 1969 an der Allmendstrasse, konnten den Kindern weitere Spielräume gesichert werden.

Spielen im öffentlichen Raum
Der Pro Juventute schwebte ein vielseitiger Robinsonspielplatz vor: Er sollte vier Bereiche umfassen:
1. einen «Bau- und Werkplatz» mit Freizeitwerkstatt für das handwerkliche und abenteuerliche Spiel, auf dem Knaben und Mädchen mit Baumaterial und Werkzeug nach eigener Fantasie bauen konnten. Damit starteten in den 1950er Jahren auch die Plätze Robi Volta und Horburg.
2. gehörte ein «Dorfplatz» mit Hartbelag zum Robinsonspielplatz. Hier konnte man Rollschuh laufen, Dreiradfahren, Hüpfen, «Gluggere» und Theater spielen.
3. ermöglichte eine Spielwiese sportliche Spiele, wie Fussball oder Völkerball («alle gegen alle»).
Und viertens gehörte eine «Kleinkinderecke» mit Sand, Wasser und Klettergeräten zum Konzept. (Auch Tiere fanden Platz.)
Im Sommer und im Winter sollten sich hier täglich Kleinkinder, Schulkinder und Schulentlassene betätigen und vergnügen können. Dazu kamen neue Spielformen, die das gesamte Stadtgebiet abdeckten. So ging ab 1974 die mobile Spielaktionsgruppe mit Spielwagen (heute mit bestückten Cargobikes) in dicht besiedelte Quartiere, um Kindern in Grünanlagen und auf verkehrsfreien Plätzen fröhliche Spielerlebnisse zu vermitteln. Auch die gedeckten Spielplätze SpielEstrich und SpielFeld, die Kindertankstellen, zeitlich festgelegte Aktivitäten wie Tagesferien und die Kinderferienstadt ermöglichen Kindern die Freude am Spielen. Seit dreissig Jahren befasst sich der Verein Robi-Spiel-Aktionen Basel, der die Nachfolge der Pro Juventute antrat, mit der zentralen Frage, wie Kinder im öffentlichen Raum spielen und damit sichtbar sein dürfen.
Unverzichtbarer Freiraum

Weil sich in den letzten Jahrzehnten das Sicherheitsbedürfnis in der gesamten Gesellschaft gewandelt und massiv zugenommen hat, sind die Robi-Plätze in Basel dazu übergegangen, den Zutritt für Eltern einzuschränken. Kinder sollen sich ohne ängstliche Blicke oder stete Ermahnungen frei bewegen können. «Helikoptereltern», die ihren Nachwuchs rund um die Uhr beobachten und kontrollieren, und «Rasenmähereltern», die ihren Kindern alle Hindernisse aus dem Weg räumen, helfen ihren Kindern kaum, sich selbständig zu entwickeln, ihre Konfliktfähigkeit zu schulen und einen respektvollen Umgang miteinander zu lernen.
Vielleicht ist, was der BaZ-Journalist Franz Hophan um 1978 schrieb, heute noch notwendiger, dringender und relevanter als damals. «Robinson-Spielplätze sind in der heutigen verfuhrwerkten Situation oft der einzige Ort, wo die Kinder überhaupt noch schreien, weinen, rennen, einen Nagel einschlagen, mit Erde, Steinen, und Brettern spielen, Spielkameraden finden und sich mit ihnen auseinandersetzen können.»
Sabine Braunschweig