
Verkehr muss fliessen. Das Auto ist schnell. Freie Fahrt für freie Bürger. Die Superblock-Debatte der vergangenen 12 Monate zeigt, wie schwer ein Perspektivenwechsel fällt.
Drei Mythen zum Verkehr:
Mythos 1: «Parkplätze aufzuheben, nimmt vielen Menschen ein Recht weg.»
Ein Parkplatz auf öffentlichem Grund ist kein persönliches Grundrecht. Öffentlicher Raum gehört allen. Die Frage ist nicht, ob jemand etwas «weggenommen» bekommt, sondern wie dieser knappe Raum genutzt wird: für abgestellte Autos – oder für Bäume, Sitzplätze, Velos, Spiel und Begegnung. Wichtig zu wissen ist, dass im Matthäus und St. Johann auf 1’000 Menschen unter 200 Autos kommen. Wem wird hier etwas vorenthalten?
Mythos 2: «Der Superblock ist ein Eingriff in unsere Freiheit.»
Freiheit bedeutet nicht, mit dem Auto überall und jederzeit durchfahren zu können. Im Gegenteil: Eine Stadt, in der Kinder selbstständig unterwegs sein können, ältere Menschen sicher die Strasse überqueren und Menschen ihre Wege ohne Auto bewältigen können, schafft zusätzliche Freiheit. Fakt ist, dass 20 Prozent aller Wege in Basel mit dem Auto zurückgelegt werden. Aber 60 bis 80 Prozent der Verkehrsfläche ist für Autos reserviert. Freiheit für die Mehrheit besteht heute nicht!
Mythos 3: «Der Verkehr wird einfach in die Nachbarstrassen verdrängt.»
Ausweichverkehr ist Thema – aber kein Gegenargument gegen das Ziel, Verkehr neu zu organisieren. Genau deshalb braucht es Messungen statt Behauptungen. In der Realität ist Verkehr kein Naturgesetz, sondern die Folge von persönlichen Entscheidungen. Es wurde vielfach national und international gezeigt, dass Verkehr verschwindet, wenn der Strassenraum neu verteilt wird.
Björn Slavik