Die Vereinigung «Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz» (AefU) kritisiert die Klybeck-Besitzerinnen Rhystadt und Swiss Life. Deren neues Konzept zur Untersuchung des Areals auf Giftstoffe sei ungenügend. Die Eigentümerinnen weisen die Kritik zurück.
Rhystadt und Swiss Life haben das ehemalige Produktionsareal der Ciba im Klybeck 2019 gekauft. Zusammen mit dem Kanton planen sie die Umwandlung des Areals in ein neues Wohn- und Arbeitsquartier. Ein Streitpunkt in diesem Riesenprojekt ist der Umgang mit den teils hochgiftigen und gesundheitsschädigenden Chemierückständen im Boden und in den bestehenden Gebäuden.
Im Februar 2025 führten mehrere Organisationen im Quartierzentrum KLŸCK erstmals eine Altlasten-Konferenz für die Bevölkerung durch. 80 bis 100 Menschen aus der Nachbarschaft des Klybeckareals nahmen teil. Das Fazit: der Informationsbedarf zu den Belastungen und dem Vorgehen bei den Sanierungen ist gross; das Vertrauen in die Besitzer des Klybeckareals ist klein.
Im März 2025 reagierten Rhystadt und Swiss Life: Sie kündeten die Offenlegung von Dokumenten und die Schaffung einer Begleitgruppe (IAPSKA – siehe unten) an. Und sie gaben bekannt, dass das Areal neu auf 200 Substanzen untersucht werden soll. (Medienmitteilung vom 18.03.2025)
Ungenügende historische Untersuchungen
Martin Forter, Geschäftsführer der AefU, überprüfte die Liste der 200 Substanzen. Und kam in seiner am 16. März 2026 publizierten Studie zu folgenden Ergebnissen:
- Nur etwa die Hälfte der Substanzen auf der Liste dürften überhaupt neue Erkenntnisse zur Belastung des Areals bringen.
- Insbesondere fehlen 61 giftige Substanzen, die in einem engen Zusammenhang mit der Chemieproduktion stehen. Sie sind zum Teil krebsauslösend, schädigen das Erbgut oder sind explosiv.
- Hauptgrund für die Mängel ist laut Studie: Im Klybeck wurde zu wenig genau untersucht, welche Substanzen in welchen Mengen wann und wo in der Produktion eingesetzt wurden, wie gefährlich sie sind.
- Es gibt zu wenig Messstellen. Damit sei es nicht möglich, die Verschmutzung des Grundwassers repräsentativ zu erfassen.
Rhystadt und Swiss Life betonten immer wieder, sie wollten im Klybeck ein Wohnquartier schaffen, «wo man (…) sorglos, gesund, gut und gerne leben und arbeiten kann». Mit dem Vorgehen könne dieses Versprechen wohl nicht eingehalten werden, kritisiert die AefU in ihrer Mitteilung. «Im Klybeck braucht es ein systematisches Vorgehen». fordert die Vereinigung. Historische Studien müssen aufzeigen, wo auf dem Chemiegelände welche Schadstoffe in welchen Mengen hergestellt oder verarbeitet wurden. Für diese Stoffe sind gemäss Altlastenverordnung Grenzwerte abzuleiten, um ihre Gefährlichkeit zu bewerten. Über das gesamte Gelände ist in einem 10-Meter-Raster ein Messnetz einzurichten, um die Belastung von Boden, Porenluft und Grundwasser systematisch zu erfassen und anschliessend zu beseitigen.
Kritik zurückgewiesen
Rhystadt und Swiss Life zeigten sich laut einem Bericht der Basler Zeitung über die Studie irritiert vom Vorgehen Forters. Die Liste, die er untersucht habe, sei veraltet. Dem Amt für Umwelt und Energie sei eine erweiterte Liste zur Genehmigung vorgelegt worden. Darauf seien auch Benzidinverbindungen, deren Fehlen Forter bemängelt habe. Die Forderung nach einem engmaschigen und flächendeckenden Messstellennetz wiesen die Arealbesitzerinnen zurück. Dafür gebe es keine wissenschaftliche Grundlage.
Matthias Brüllmann
Stichwort: IAPSKA
Rhystadt und Swiss Life haben die «Informations- und Austauschplattform Standortbelastungen Klybeck-Areal» (IAPSKA) im Nachgang zur Altlasten-Konferenz vom Februar 2025 eingerichtet. «Die IAPSKA ist eine offene Plattform für den Austausch, die Diskussion und die Auseinandersetzung über das Vorgehen im Umgang mit Altlasten, Grundwasser- und Porenluftverschmutzungen sowie der Kontamination von Untergrund und Gebäuden. Sie ermöglicht den Beteiligten, Anregungen, Hinweise und Kritik in den Planungs- und Umsetzungsprozess einzubringen», lautet das Ziel gemäss Geschäftsordnung
Der IAPSKA gehören Vertreter:innen verschiedener Organisationen aus der Nachbarschaft des Klybeckareals sowie Behördenvertreter an. Geleitet werden die Besprechungen von der ehemaligen SP-Grossrätin Salome Hofer. Unter den beteiligten Organisationen sind der Verein Zukunft.Klybeck, die «Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz» (AefU), die Wohngenossenschaft Klybeck (WGK), der Neutrale Quartierverein Unteres Kleinbasel.
Die IAPSKA hat keine Befugnisse, etwa gegenüber den Arealeigentümern. Die Mitwirkung ist ehrenamtlich. Die Sitzungen sind öffentlich, Zuschauer:innen haben jedoch kein Rederecht.
Die erste Sitzung der IAPSKA fand am 22. Oktober statt.
Die nächste Sitzung ist am 22. April 2026.
Zur Publikation von Untersuchungsergebnissen und weiteren Dokumenten im Zusammenhang mit der Altlastensanierung haben die Arealeigentümer einen Datenraum in Internet eingerichtet:
(MB)