Kann man mit Natur spielen? Natur als «Spielzeug»? Gesetzt den Fall, Sie haben ein Stück Land zur Verfügung, vielleicht einen kleinen Garten hinter oder vor Ihrem Haus. Sie möchten ihn so gestalten, dass Sie mit Freude in ihm werken. Sie möchten ausprobieren, was wächst? Könnte dabei eine «Spielanleitung», in Form einer Beratung, dienlich sein?

Salome Bessenich im unteren St. Johann besitzt so ein Stück Land, das sie bespielt. Sie und ihre Familie sind vor einem Jahr in ein Einfamilienhaus gezogen, mit kleinen Gärten vor und hinter dem Haus. Auf Initiative des emeritierten Uni-Professors für Botanik, Dr. Jürg Stöcklin, traf ich mich für mozaik mit ihm und mit Salome Bessenich in ihrem Garten, um das hier im Gang befindliche «Spiel mit Natur» und die benutzte «Spielanleitung» mit zu verfolgen. Jürg Stöcklin ist Gründungsmitglied des Vereins «Natur in Basel». Dieser berät Interessierte bei der naturnahen Gestaltung von Grünflächen mit dem Ziel, die Biodiversität im städtischen Siedlungsraum zu fördern. Salome Bessenich war durch Bekannte auf den Verein gestossen und liess sich von dessen Beratungsteam inspirieren.
Ich wollte von beiden hier Engagierten mehr wissen:
Das «Spielfeld»
mozaik: Frau Bessenich, Sie haben, als Sie die Liegenschaft erwarben, bestimmt bereits einen gestalteten Garten angetroffen.
Salome Bessenich: Es hatte vor allem eine Blutpflaume und eine hochgewachsene Eibe, deren Nadeln den ganzen Garten bedeckten und bewirkten, dass der Boden sehr sauer wurde. Nur noch etwas Efeu wuchs in ihrem Schatten. Es war gar nicht so einfach, sich vorzustellen, was hier gut wachsen könnte. Durch Bekannte habe ich von «Natur in Basel» gehört, deren Programm mir gefällt.
Die Eibe steht jetzt nicht mehr …
Wir haben sie gefällt: Kein einfacher Entscheid, aber für diesen kleinen Garten war es richtig.
Was ja nicht so einfach ist in Basel.
Ja, wir mussten eine Bewilligung einholen und einen Ersatz pflanzen, was ich auch richtig finde. Und ich selber musste mich mit dem Thema «Baumfällscham» auseinandersetzen. Ich habe dazu sogar eine Kolumne publiziert in einer Architektur-Zeitschrift, wo ich mitwirke.
Biodiverse «Anleitung»
Herr Stöcklin, seit wann gibt es den Verein «Natur in Basel» ?
Jürg Stöcklin: Die Gründung erfolgte im Mai 2023. Mir selbst und auch meinen Mitgründenden aus den Bereichen Biologie, Biodiversität, Permakultur und Gartengestaltung war und ist es ein Anliegen, Grünflächen, Gärten sowie weitere offene und versiegelte Flächen naturnah und biodivers zu gestalten. Das bedeutet, die Vielfalt von Tieren, auch Kleinstlebewesen, von Pflanzen sowie die Vielfalt von Lebensräumen zu fördern.
Wie nimmt der Verein diese Aufgabe wahr?
Durch ein kostenloses Beratungsangebot. Wir haben ein dreiköpfiges Beratungsteam mit einschlägigem Fachwissen. Unsere Beratungstätigkeit finanziert sich in erster Linie durch Beiträge von Stiftungen und Sponsoren. Der Vorstand arbeitet ehrenamtlich.
«Spielzüge»
Frau Bessenich, wie ging bei Ihnen diese Beratung vor sich?
Mein Partner und ich trafen uns Ende Januar 2025 mit der Vertreterin von «Natur in Basel» vor Ort. Darauf basierend erstellte «Natur in Basel» ein Dossier mit detaillierten Empfehlungen.
Wie geschah und geschieht die Umsetzung?
Im ersten Schritt beauftragten wir die von Natur in Basel empfohlene Firma «Lashaia Gartenbau GmbH» mit den grösseren Arbeiten. Wir selber verantworten die Pflege und ergänzen nun Schritt für Schritt weitere Pflanzen und Elemente mithilfe des erhaltenen Dossiers.
Hatten Sie selber Ideen oder Vorstellungen, wie der Garten aussehen solle?
Gewiss! Wir wollten eine «lebendige kleine Oase» für unsere Familie schaffen, mit einem Kies-Sitzplatz umgeben von Grün. Die kahle Mauer der Hinterhofbebauung begrünten wir mit Waldrebe, Passionsfrucht und Kletterhortensie. Wir wollten Beete mit einheimischen Pflanzen, die auch im Schatten gut wachsen und viele Beeren, was die Kinder lieben, dazu auch Gehölze mit essbaren Früchten. Als Ersatz für die gefällte Eibe wählten wir einen Zwetschgenbaum und ergänzten noch einen Pfirsichbaum, was gut zur grossen alten Blutpflaume passt. Wir sind sehr glücklich mit unserer kleine Oase, in der wir jeden Tag viele verschiedene Insekten und Vögel beobachten./

Ich danke Ihnen beiden für die Informationen und wünsche Ihnen weiterhin ein erfreuliches «Spielen» mit diesem Garten!
Benno Gassmann
Weiterführende Informationen:
E-Mail: beratung@naturinbasel.ch