Ein Zirkusleben leben

Das Zelt des Jugendcircus Basilisk beim Bässlergut (Bild: Susanne Zeugin)

Bald schlägt der Jugend Circus Basilisk wieder sein Zelt auf der Rosentalanlage auf. mozaik-Autorin Susanne Zeugin besuchte das Winterlager, wo die Basilisken am neuen Programm arbeiten.  

Ich fahre mit dem Velo an den äussersten Rand des Rosentalquartiers Richtung Grenze Otterbach gegen Deutschland zu. Mir ist das grosse rotgelbe Zelt des Zirkus Basilisk schon lange ein visueller Begriff. Von März bis nach der Tournee in den Sommerferien trainieren die Kinder und Jugendlichen (von 7 bis 17jährig) im Zelt. Sie sind jetzt gerade sehr konzentriert am Trainieren ihres diesjährigen Programms mit dem Namen Lumaris.

Hinter dem Zelt steht ein umgebauter grosser Stall mit einer Tenne im ersten Stock. Dort finden nach der Sommertournee die weiteren Trainings statt (Winterzirkus). Zeitgleich können je zwei Gruppen trainieren nachmittags und von 18 Uhr bis 20 Uhr. Ich sehe im Winterzirkus Einräder, Kunstfahrräder, dicke Matten und diverse schwarze Tücher vom Dachstock herunterhängen. Und vieles mehr an Requisiten und Kostümen lagert im grossen Haus.

Vor dem Hauptgebäude fallen mir zwei grosse weisse Container in Übergrösse auf. Darin ist  die Bestuhlung des Zeltes aufbewahrt. Dort hinein kommt dann nach der Tournee auch wieder das Zelt. 

Zum Gespräch werde ich von Manuela Bernoulli und Luzi Staehelin an der Freiburgerstrasse willkommen geheissen. Sie leiten den Verein als Co-Präsidenten gemeinsam. Beide sind Zirkuseltern; will heissen, dass eines ihrer Kinder selber im Jugendzirkus Basilisk (JZB) aktiv ist.

Die Geschichte des JZB

    Der JZB hat eine lange Tradition. Wie ich aus der Website erfahren kann, geht die Idee ins Jahr 1968 zurück, als ein Zürcher Kinderzirkus auf dem Münsterplatz gastierte. René F. Däschle dachte sich, dass Basel so etwas auch haben sollte. Beim Neuanfang 1969 kamen viele Jugendliche und keine:r wurde damals abgewiesen. Heute sind es 50 Jugendliche, die das Herz des Zirkus bilden. Die juristische Form des JZB war von Anfang an ein selbsttragender Verein. Gelder werden durch Vereins- und Koloniebeiträge eingenommen. Ebenso durch Sponsoren, Inserateverkauf im Programmheft und durch die Platzreservationen von 5 Franken bei den Vorstellungen. Es braucht keine Eintrittskarten. Dafür wir erwünscht, dass die Kollekte berücksichtigt wird. 

    Im Vereinswesen sind die Eltern wieder gefordert. Ämter müssen übernommen werden, genauso wie an der Tournee. Zeltauf- und -abbau geht nur mit mindestens 50 Mithelfenden. Die Jugendlichen sind überall mit dabei. Auch die Ideen für das artistische Programm oder die Kostüme und die Musik kommen von den Aktiven. Der JZB erlebt sich wir eine Grossfamilie, wo nur gemeinsam etwas artistisch Hochstehendes geleistet werden kann. Jedes Kind übernimmt Verantwortung: die Älteren für die Jüngeren. Oder die, welche schon lange trainieren für die, welche neuer dazugekommen sind. Das schweisst zusammen und gibt Halt, wenn sie in die Kolonie gehen. Unter Kolonie verstehen sie die drei Wochen in den Sommerferien: zwei Wochen traditionellerweise auf der Rosentalanlage. Und alle zwei Jahre noch eine Woche an einem anderen Standort in der Schweiz. Dieses Jahr geht es nach Zug. Geschlafen und gegessen wir in einer Zivilschutzanlage auf dem Stierenmarktareal. Bei Heimweh hilft das interne Familienbetreuungssystem durch die Kinder/Jugendlichen selber. Das Handy bleibt während der ganzen Tournee zu Hause.

    Junge Kunstradfahrer anlässlich der Premiere 2025 (Bild: Jürg Hofer)

    Probejahr

      Da die Kinder- und Jugendlichenanzahl beschränkt ist auf 50, gibt es immer eine Warteliste. Es wird darauf geschaut, dass die Durchmischung ausgewogen ist, sei es vom Alter oder auch vom Geschlecht. Mädchen überwiegen. In den 70er Jahren war es genau umgekehrt. Im Herbst gibt es Aufnahmetrainings. Es werden zirka fünf bis zehn Neue aufgenommen. Für ein Jahr sind sie dann auf Probe, bevor sie definitiv in den Zirkusbetrieb aufgenommen werden.

      Bässlergut

        Am Schluss interessiert mich noch die Frage, wie es kam, dass der Zirkus so weit aussen, am Rande des Kleinbasels zu liegen kam. Heute steht auf dem «Bässlergut» neben dem Zirkus eine alte Villa, ein Asylempfangszentrum und das Ausschaffungsgefängnis für abgewiesene Asylbewerber:innen. Ganz genau wissen meine Informant:innen das auch nicht. Sicher ist, dass die Stadt Basel ihnen vor kurzem einen neuen Zehnjahresvertrag zugeschickt hat. Was danach kommt, ist noch ungewiss. 

        Der ganzen Zirkusfamilie wünsche eine tolle 57. Tournee und freue mich schon darauf, dass Zelt auf der Rosentalanlage wiedersehen zu dürfen.

        Première Rosentalanlage: 29.6.2026 um 19:00

        Dernière: 09.7.2026 um 14:00

        https://www.circusbasilisk.ch

        Manuela Bernoulli/Luzius Staehelin
        Theodorsgraben 4
        4058 Basel
        E-Mail: praesident@circusbasilisk.ch

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